Warum ein Schulhund?
Immer mehr Schulen setzen auf eine besondere Unterstützung im Klassenzimmer: den Schulhund. Was zunächst ungewöhnlich klingt, hat sich in vielen Bildungseinrichtungen als wertvolle Ergänzung zum Unterricht bewährt.
Ein Hund im Schulalltag kann nicht nur für eine entspannte Lernatmosphäre sorgen, sondern auch soziale Kompetenzen, Verantwortungsgefühl und Konzentration der Schülerinnen und Schüler fördern.
Die Anwesenheit eines Schulhundes wirkt oft beruhigend und motivierend zugleich. Kinder gehen achtsamer miteinander um, trauen sich eher zu sprechen und erleben Schule in einer positiveren Atmosphäre. Gleichzeitig lernen sie, Rücksicht auf ein Tier zu nehmen und dessen Bedürfnisse zu respektieren. (Beetz, 2012, Heyer & Kloke, 2011).


Was leistet ein Schulhund?
Er kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen – z.B. als Lernmotivator, als Lärmregulierer, als Stressreduzierer oder als Tröster. Ein Schulhund bietet sich zudem an, um etwas über den allgemeinen Umgang mit Hunden im Alltag zu erfahren, die Körpersprache des Hundes verstehen zu lernen und Kinder von eventuell vorhandenen Ängsten zu befreien.
Darüber hinaus kann ein Schulhund den Unterricht durch verschiedenste Aufgaben bereichern und so z.B.:
- ein besseres Lernklima schaffen und die Aufmerksamkeit steigern.
- zum Lernen motivieren und Schulunlust verringern.
- das Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein stärken.
- die soziale Integration einzelner Schülerinnen und Schüler fördern.
- aggressives Verhalten reduzieren.
- dabei helfen, negative Emotionen zu regulieren uvm.
Und was genau ist ein Schulhund?
Ein Schulhund ist ein Hund, der von einer Lehrkraft oder einer anderen pädagogischen Fachkraft regelmäßig (oder zeitweise) mit in die Schule gebracht wird, um dort im Rahmen der tiergestützten Pädagogik eingesetzt zu werden.
Beetz, Hunde im Schulalltag (2015)
Zielgerichteter Einsatz: Der Einsatz ist geplant, strukturiert und dient pädagogischen Zielen.
Professionelle Anleitung: Die Arbeit wird von einer pädagogischen Fachkraft angeleitet/durchgeführt.
Qualifikation: Der Hund sollte eine entsprechende Ausbildung (im Mensch-Hund-Team) absolviert haben und sich eignen.
Wohlbefinden: Die Bedürfnisse des Hundes (artgerechte Haltung, Ruhepausen) müssen stets berücksichtigt werden.
Beetz betont, dass ein Schulhund nicht nur präsent ist, sondern aktiv in das pädagogische Konzept eingebunden wird, um soziale, emotionale und kognitive Fähigkeiten der Kinder zu stärken.
QNS (2017):
Schulhund = Oberbegriff für alle in der Schule eingesetzten Hunde
Schulbegleithund = Hunde, die eine*n Pädagog*in (= Besitzer*in), regelmäßig in die Schule begleiten (in Klassen bzw. Gruppen) und eine Teamweiterbildung von mind. 60 Stunden absolviert haben
Schulbesuchshund = Hunde, die mit ihren Besitzer*innen für einige Stunden an einem Projekt zum Thema `Hund` in der Schule teilnehmen und mind. eine Teamweiterbildung von einem Wochenende absolviert haben sollten
Therapiebegleithund = Hunde, die eine*n Therapeut*in (= Besitzer*in), regelmäßig in die Schule begleiten und eine Teamweiterbildung von mind. 60 Stunden absolviert haben
Weitere Begriffe:
- HuPäSch = Abkürzung für Hundegestützte Pädagogik in der Schule
- QV (SV) = Qualitätsversprechen für Mensch-Hund-Teams in der Schule
Richtlinien für den Schulhund-Einsatz in Deutschland
IAHAIO (2014; 2018), RiSU (2023), QV (2024), QNS (2019; 2021; 2022) und TVT e.V. (2018)

Zusammenfassung der Richtlinien und Handlungsempfehlungen
- Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen und Gesundheitsattest des Hundes (1x jährlich)
- Regelmäßige Endoparasitenprophylaxe und Ektoparasitenprophylaxe (alle 3 Monate)
- Nachweis über vorgeschriebene Impfungen
- Nachweis über eine Tierhalterhaftpflichtversicherung (explizit für den Einsatz in der Schule)
- Information der Sorgeberechtigten und Abfrage bekannter Allergien sowie massiver Ängste
- Erstellen eines Hygieneplans sowie Einhaltung der erforderlichen hygienischen Maßnahmen
- Erstellen eines Schulhund-Konzepts (kontinuierliche Reflektion, Evaluation und Anpassung)
- Schaffung räumlicher Voraussetzungen (Lage, Erreichbarkeit, Ruheplatz, Ruheraum etc.)

Der Einsatz
erfolgt
▸ nur im aus- bzw. weitergebildeten Mensch-Hund-Team
▸ ausschließlich unter ständiger Aufsicht der ausgebildeten Fachkraft
▸ immer nach Hunde- und Tierschutzaspekten sowie tierethischen Grundsätzen
▸ stets nach dem Prinzip der Freiwilligkeit (eingesetztes Tier und SuS)
▸ nur stundenweise und nicht täglich (1x - max. 3x / Woche; max. 1 - 2 h / Tag)
- Über Art und Umfang entscheidet ausschließlich die pädagogische Fachkraft
- Der Stundenplan muss entsprechend gestaltet werden
- Etablierung von Regeln und Ritualen (für Hund, SuS sowie das Kollegium)
- Keine Instrumentalisierung des eingesetzten Tieres
- Es besteht stets die Möglichkeit des selbstständigen, ungestörten Rückzugs des Hundes
- Ruhezeiten und Ausgleichsaktivitäten schaffen
- Individuelle Anpassung entsprechend der Bedürfnisse & Voraussetzungen aller am Prozess Beteiligten

Das Mensch-Hund-Team
- Absolvierte pädagogische Ausbildung mit Berufserfahrung im schulischen Bereich (mind. 2 Jahre)
- Spezifische Zusatzausbildung im Bereich TgI / TgP
- Ausbildung muss im Mensch-Hund-Team erfolgen (mind. 60-stündige Team-Weiterbildung)
- Regelmäßige Fortbildungen (mind. 1x jährlich bzw. 16 Stunden in zwei Jahren)
- Grundwissen über das Lebewesen Hund sowie umfassende Erfahrung im Umgang mit Hunden
- Grunderziehung des Hundes und sicheres Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Pädagog*in
- Der Umgang mit dem Hund erfolgt nicht aversiv (Stärken und Schwächen müssen berücksichtigt werden)
- Der Hund lebt als Familienmitglied art- & tierschutzgerecht im Haushalt der päd. Fachkraft

Die Checkliste zu den Richtlinien für den Schulhund-Einsatz in Deutschland
Lade dir gerne hier die Checkliste als praktisches PDF zu den "Richlinienfür den Schulhund-Einsatz in Deutschland" herunter.
Ein Hund im Einsatz
Ein Schulhund begleitet die Pädagogin zwei bis drei Mal in der Woche in die Schule und wird maximal ein bis zwei Stunden pro Tag aktiv oder passiv im Unterricht eingesetzt, mit ausreichend Pausen sowie Ausgleichsaktivitäten vor und nach den Einsätzen.
Die Regeln für den Umgang mit dem Schulhund werden mit den Schüler:innen vorher ausführlich besprochen. Ein Schulhund tritt ausschließlich im Mensch-Hund-Team mit der zuständigen Pädagogin auf und ist stets unter ihrer Aufsicht. Die Arbeit mit dem Schulhund geschieht nur auf freiwilliger Basis, sowohl für die Schüler:innen als auch für das eingesetze Tier.

Grenzen des Schulhund-Einsatzes
Einzelne Schüler:innen haben Angst vor Hunden. Durch die freundliche Ausstrahlung und die Sanftheit eines geschulten Hundes kann es gelingen, diese Angst zu vermindern und einen natürlichen Umgang mit Hunden zu erlernen. Die Vermittlung der „Hundesprache“ hilft im Alltag beim richtigen Umgang mit fremden Hunden.
Es gibt darüber hinaus gezielte Übungen zum Hundekontakt bei ängstlichen Kindern. Allergien gegen Hundehaare sind entgegen häufiger Erwartungen sehr selten und treten auch dann meist nur nach sehr langem und intensivem Kontakt mit dem Tier auf. Trotzdem können Sie ihre Bedenken in dieser Richtung gern äußern. Es wird dann sicherlich möglich sein, Einzellösungen zu finden.
